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In Via Würzburg stellt Mädchen und Frauen in den Mittelpunkt seiner Arbeit – Förderung selbstsicheren und partizipativen Lebens – Vielfältige Angebote

Würzburg (POW) „Letztlich wollen wir den Frauen die Möglichkeit geben, zu erfahren, dass sie ihr Leben selbstständig in die Hand nehmen können.“ So fasst Angelika Blenk, Geschäftsführerin von „In Via Würzburg – Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit“, den Anspruch des Vereins zusammen. Übersetzt bedeutet In Via „auf dem Weg“ – das sei der verbindende Gedanke. Der zweite Teil des Vereinsnamens beschreibt ein wichtiges Kernanliegen, nämlich Mädchen und jungen Frauen auf der Grundlage christlicher Werte zu helfen. Der Verein ist über seine Geschäftsstellen in München und Freiburg deutschlandweit organisiert und besteht bereits seit 112 Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts war Deutschland von Industrialisierung und Landflucht geprägt. Junge Frauen kamen auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Um ihnen das Ankommen und die Vermittlung zu erleichtern und sie vor Gefahren zu bewahren, gründeten katholische Frauen den Verein. Mittlerweile hat In Via sein Angebot ausgeweitet und bietet über Wohnmöglichkeiten hinaus an, Au-Pairs und Freiwilligendienste im In- und Ausland zu vermitteln.

Mit etwa 30 Mitarbeitern bietet der Würzburger Verein vielfältige Leistungen für junge Frauen. „Das Schöne hier ist, dass alle dieselbe Haustür nehmen und keiner stigmatisiert werden kann“, sagt Caroline Manderbach, Leiterin vom Haus Sankt Lioba. Als eine Einrichtung von In Via bietet das Haus verschiedene Formen des Jugendwohnens und der Jugendhilfe an. Bis 2007 war das Haus noch eine Schule für Schülerinnen der Hauswirtschaftslehre und wurde von Ordensfrauen geleitet. Heute haben zum einen Berufsschülerinnen, die ihren Unterricht in Würzburg absolvieren, jedoch nicht aus Würzburg stammen, die Möglichkeit, im Haus zu wohnen. „Die Mädchen kommen nach Würzburg, weil sie außergewöhnliche Berufe erlernen. Zurzeit wohnen bei uns eine zukünftige Goldschmiedin und eine Uhrmacherin.“ In einzelnen Appartements kommen zudem volljährige Bewohnerinnen unter, die für ein Studium oder eine Ausbildung in Würzburg sind. „Für alle Bewohnerinnen ist es einfach schön, bei Bedarf einen Ansprechpartner zu haben“, sagt Manderbach.

Zum anderen wohnen dort in sozial- oder heilpädagogischen Wohngruppen Mädchen und junge Frauen. Auch unbegleitete minderjährige Flüchtlingsmädchen sind in einer Wohngemeinschaft der Jugendhilfe untergebracht. Die Minderjährigen in der Jugendhilfe des Hauses werden vom Jugendamt vermittelt und erhalten in der Wohngemeinschaft, die acht Plätze umfasst, ein Einzelzimmer. Die Bewohnerinnen dieses Bereichs leben je nach Bedarf und Wohngruppe nach vorgegebenen Tagesstrukturen. „Wir wollen die Mädchen, die oft aus schwierigen Verhältnissen zu uns kommen, auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit betreuen. Es gibt beispielsweise feste Handy-, Ausgangs- und Essenszeiten“, erklärt Manderbach.

Die heilpädagogische Wohngruppe für junge Migrantinnen wurde 2013 zusätzlich gegründet, weil In Via bei diesen Mädchen einen anderen Anspruch gesehen habe. „Die geflüchteten Mädchen haben beispielsweise ihre Eltern im Krieg verloren und wurden Opfer von Gewalt und Zwangsverheiratung. Viele waren jahrelang auf der Flucht und sind von den Erfahrungen traumatisiert: Einige waren in libyschen Gefängnissen, andere haben Menschen im Mittelmeer ertrinken sehen“, erklärt Manderbach. In Via unterstützt die Mädchen beim Ankommen und bei der weiteren Integration. Andrea Klüpfel, Bereichsleiterin der Initiative Kofiza (Kontakt-, Förderungs- und Integrationszentrum für außereuropäische Frauen und deren Familien), stellt fest, dass die Frauen, die an den Angeboten teilhaben, selbstsicherer werden. Frühe Hilfe zur Integration sei nachhaltig und sinnvoll: „Starke Mütter haben starke Kinder.“

„Im Haus Sankt Lioba leben die Bewohnerinnen gut mit- und nebeneinander. Die unterschiedlichen Menschen, die dort zusammentreffen, zeigen, was gelungene Integration bedeutet“, sagt Blenk. Trotzdem müsse sich In Via zukünftig neuen Herausforderungen stellen. „Unsere Arbeit sieht von weiter weg immer machbar aus, vieles ist im Einzelfall aber richtig schwierig. Es gibt einfach Mädchen und junge Frauen, die in unserer Gesellschaft benachteiligt sind.“ Die sinkende mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für das Thema Migration beispielsweise führe zu weniger Interesse an ehrenamtlichem Engagement in diesem Bereich. „Es ist schwierig, eine geeignete Person zu finden. Häufig passen der Zeitraum und die Verfügbarkeit nicht“, erklärt Blenk. Solche Maßstäbe seien wichtig, um den Mädchen in den Wohngruppen der Jugendhilfe Struktur und eine Konstante zu bieten.

Weitere Informationen im Internet unter www.invia-wuerzburg.de.

ch (POW)

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