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Aus den Fachverbänden –

Sie kommen aus zwölf verschiedenen Nationen, leben in Bayern und haben ein Ziel: Sie alle möchten Migrantinnen, die noch nicht so lange in Deutschland sind, in ihrer neuen Heimat unterstützen. Dafür machten sich 27 Migrantinnen im bereits mehrfach ausgezeichneten IN VIA KOFIZA-Projekt "Zuhause in Bayern" fit fürs Ehrenamt.

Der Wille ist da, aber "Wie werde ich Helferin im Integrationsprozess?" - Antworten auf diese Frage bot eine Grundlagenschulung des Frauen- und Caritasfachverbandes IN VIA Bayern e. V. im Frühjahr in Nürnberg. Interessante Vorträge und Workshops zu den Themen Ehrenamt, Kultursensibilisierung und Werte(konflikte) bereiteten die Migrantinnen auf ein mögliches ehrenamtliches Engagement in ihren Wohnorten vor. In Würzburg, Nürnberg und Regensburg ist das Projekt "Zuhause in Bayern" bereits angesiedelt und soll dort ein Netzwerk zwischen Flüchtlingsfrauen und Migrantinnen, die schon länger in Deutschland leben, knüpfen und die Integration von Flüchtlingsfrauen fördern. Insgesamt engagieren sich im Rahmen des 2016 gestarteten Projekts jetzt schon etwa drei Dutzend Multiplikatorinnen aus 17 verschiedenen Herkunftsländern für rund 70 geflüchtete Frauen.

Nach der gut besuchten und begeistert aufgenommenen Schulung könnten es noch einmal mehr werden. "Schon nach wenigen Stunden zeigte sich, wie stark ein gemeinsames Ehrenamt verbinden kann", so Projektleiterin Andrea Paul, "das Interesse an einem praktischen Einsatz war groß."

Gehört haben die Frauen im Laufe der Schulung beispielsweise einiges über Möglichkeiten und Grenzen des Ehrenamtes, das bei allem persönlichen Engagement nicht mit einer "Freundschaft" zu verwechseln sei und zu dem "Nein sagen" gehöre. "Die Unterstützung darf niemanden überfordern", so Andrea Paul, "wir begleiten die Frauen daher auch im Rahmen des Projektes "Zuhause in Bayern" und bieten regelmäßige Schulungen an den Projektstandorten an".

Der Gedanke dahinter: "Zugewanderte Frauen, die schon länger in Deutschland leben, können besser verstehen, wie sich die Neuangekommenen fühlen - ihre Unsicherheit, ihre Ängste in einer unbekannten Umgebung. Durch die jahrelangen Bemühungen, ihr Leben in Deutschland neu zu gestalten, haben viele Migrantinnen interkulturelle Kompetenz erlangt - und sind die besten Vorbilder. Ihre Sprachkenntnisse, die Vertrautheit mit dem Wohnort, ihre Erfahrung mit Behörden oder ihr Einblick in das deutsche Schulsystem bilden ein großes Kapital, das der Integrationsarbeit zugutekommen soll. Profitieren sollen davon vor allem Mädchen sowie Frauen mit ihren Kindern, deren besondere Situation tendenziell eher übersehen wird. Durch ihr bürgerschaftliches Engagement erleichtern die Frauen nicht nur anderen den Einstieg hierzulande. Sie selbst nehmen eine aktive Rolle in unserer Gesellschaft ein, definieren ihr Selbstverständnis neu und bauen Vertrauen in die eigenen Kompetenzen auf. Das wiederum fördert ihre Integration und die ihrer Familien.

Die Basiskosten für die Projektstandorte Nürnberg, Würzburg und Regensburg des zunächst bis Oktober 2018 befristeten Projektes werden vom IN VIA Landesverband aus den Projektmitteln der Deutschen Fernsehlotterie getragen. Förderer sind u. a. auch die Dr. Harry und Irene Röser Bley Stiftung.
Dankenswerterweise fördert das Bayerische Staatsministerium des Innern und für Integration zwei Projekte: Einmal die Schulungen für die Ehrenamtlichen und zum Anderen zwei neue Standorte für das Projekt "Zuhause in Bayern" in Augsburg und in Ingolstadt. Ziel ist es hier, Multiplikatorinnen zu finden, die Migrantinnen und Bleibeberechtigte unterstützen

Annette Bieber / IN VIA Bayern e. V.

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