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Aus den Fachverbänden – München/Kochel am See. Wer kennt Sie nicht, die meist platten und zum Teil verächtlichen Sprüche über Politik im Allgemeinen und Ausländer im Besonderen: „Flüchtlinge leben auf unsere Kosten“ heißt es da, oder „Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg“.

Wie reagiert man angemessen auf solche Stammtischparolen – noch dazu, wenn man selbst Migrationshintergrund hat? Catalina aus Südamerika beispielsweise war ratlos und entsetzt, als Nachbarn beim gemeinsamen Grillfest über „die Ausländer“ lästerten. Und der Afrikanerin Suna (Namen geändert) fehlten schlichtweg die Worte, als ihre Freundin in der U-Bahn sehr verletzend auf ihre Hautfarbe angesprochen wurde.

Wie damit umgehen? Was darauf antworten, damit der Andere zum Nachdenken angeregt wird? Mit diesen Fragen befassten sich jetzt 18 Frauen – zumeist in der Integrationsarbeit ehrenamtlich tätige Migrantinnen – genauer. Beim „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen", zu dem die IN VIA KOFIZA Landesstelle Bayern in Kooperation mit der Georg-von-Vollmar Akademie nach Kochel geladen hatte, erhielten sie vom Augsburger Pädagogen Dr. Christian Boeser-Schnebel (Leiter des Netzwerks Politische Bildung Bayern ) nicht nur Tipps zum Umgang mit pauschalisierenden und diskriminierenden Parolen.

Den meisten Menschen fällt es nicht leicht, selbstbewusst dagegen zu halten, wenn sie mit plumpen Sprüchen konfrontiert werden. Zuwanderinnen tun sich da noch schwerer: „Die Frauen sind oft in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der Konflikte nicht als Chance für eine Weiterentwicklung gesehen werden, sondern in Verbindung mit Gewalt und Autoritarismus gebracht werden“, weiß Márcia Ferraz Ribas vom „Kontakt-, Förderungs- und Integrationszentrum für außereuropäische Frauen und deren Familien“, kurz IN VIA KOFIZA genannt. Sie müssten daher erst einmal erkennen lernen, welche Chancen und Möglichkeiten Demokratie ihnen bietet.

Für die beim Caritas-Fachverband IN VIA Bayern e.V. (München) angesiedelte Landesstelle ein Grund mehr, ein Argumentationstraining speziell für Migrantinnen anzubieten. „Viele unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die selbst Migrantinnen sind, werden mit menschenverachtenden und rechtspopulistischen Bemerkungen konfrontiert“, so die IN VIA KOFIZA-Fachberaterin Ribas, „um hier Paroli bieten zu können, braucht es nicht nur Argumente.“ Vielmehr gehe es auch darum, im Konfliktfall selbstbewusst, gezielt und objektiv agieren zu können. Ziel sei es schließlich, in einen positiven Dialog zu treten. Wichtig sei deshalb auch die die Offenheit für andere Positionen, die Bereitschaft nachzufragen, statt zu belehren.

So arbeiteten die Zuwanderinnen aus Kolumbien, Brasilien, Armenien, Gambia, Ecuador, Ägypten, Syrien, Philippinen, Lesotho, China, Argentinien, Iran, Costa Rica und Mexiko gemeinsam mit ihrem Trainer nicht nur die typischen Merkmale von Stammtischparolen heraus, sie lernten auch deren Motive einzuordnen und übten in Rollenspielen Kommunikationsstrategien ein. Außerdem setzten sie sich kritisch mit den Themen Einwanderung, Integrationspolitik und sozialer Ungleichheit auseinander.
Der Mehrwert dieser, von der GLS Treuhand mitfinanzierten Schulung liegt für Márcia Ferraz Ribas auf der Hand: „Als Multiplikatorinnen erreichen unsere Ehrenamtlichen zahlreiche Frauen in ihrer Community, an die sie ihr Wissen weitergeben können.“

Der Frauenverband IN VIA bekennt sich deutlich zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt miteinander leben. Menschenfeindliche Äußerungen, Intoleranz und Hass lehnt der Verband entschieden ab. Erst vor kurzem verabschiedete der Bundesverband im Rahmen seiner Mitgliederversammlung in Fulda Leitlinien für eine offene und demokratische Gesellschaft.

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