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Nürnberg/München: Eine (warme) Mahlzeit, Tee und Kaffee, Alltagsmasken oder Winterbekleidung – im Pandemiejahr 2020 fehlte es den Gästen der bayerischen Bahnhofsmissionen an vielem zum Leben.

„Die Not war deutlich spürbar und ist es immer noch“, so Hedwig Gappa-Langer und Harald Keiser von der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen in Bayern. Noch nie zuvor leisteten die größtenteils ökumenisch getragenen Hilfeeinrichtungen so oft materielle Hilfen wie 2020.

Allein in München, Bayerns größter Bahnhofsmission, registrierten die Verantwortlichen im Jahr 2020 rund 207 000 Kontakte – 90.000 mehr als 2019. Im Durchschnitt wurden 567 Menschen gezählt, die ein- oder mehrmals täglich kamen, an manchen Tagen waren es sogar bis zu 700. Im Jahr zuvor gab es im Mittel „nur“ 320 Kontakte pro Tag. Insgesamt erbrachten die Münchner Mitarbeitenden 284 000 Hilfeleistungen – von der Krisenintervention über seelsorgerische Gespräche bis zur Vermittlung einer Übernachtungsmöglichkeit oder eben den materiellen Hilfen. „In den ersten Wochen der Pandemie übernahmen wir in der Bahnhofsmission München fast alleine die Notversorgung der Münchner Armutsbevölkerung“, so Bettina Spahn und Barbara Thoma, die beiden Leitungen der Einrichtung. Die Stärkung mit Tee, Kaffee, Wasser und Brot nahm von 2019 auf 2020 von rund 105 000 auf 163 000 Ausgaben zu. Es war klar, dass die Bahnhofsmission entlastet und weitere Angebote der Notversorgung geschaffen werden mussten, was dann im Jahresverlauf auch gelang.

Ähnlich gestaltete sich die Situation in den anderen Bahnhofsmissionen in Bayern. Die Ausgabe von materiellen Hilfen ist um fast ein Viertel von knapp 43 000 auf 53 000 gestiegen, obwohl die Anzahl ihrer Kontakte um rund 20 Prozent gesunken ist – nicht zuletzt auch durch den Wegfall vieler Reisehilfen. „Die Armut wächst überall“, so Gappa-Langer, zuständige Referentin beim Caritas-Fachverband IN VIA Bayern e.V.. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Harald Keiser von der Diakonie Bayern hat sie die Zahlen für 2020 ausgewertet und festgestellt: „Obwohl die meisten Bahnhofsmissionen coronabedingt Ihr Angebot, Aufenthaltsmöglichkeiten und Öffnungszeiten zurückfahren mussten, sind deutlich mehr arme, kranke und obdachlose Menschen gekommen, deren ohnehin prekäre Lebenssituation sich weiter verschärft hat.“ Alle 13 bayerischen Bahnhofsmissionen zusammen leisteten 2020 knapp 539.000 Mal Hilfe.

Kontaktbeschränkungen und Hygienevorschriften haben die Arbeit der Bahnhofsmissionen vor Ort verändert. „Das Wichtigste an der Bahnhofsmissionsarbeit ist eigentlich der Austausch, ein offenes Ohr zu haben und für die Menschen da zu sein", so Gappa-Langer, „hinter Plexiglasscheiben und Masken ist das sehr schwierig.“ Die 2020 größtenteils geschlossenen Aufenthaltsräume fehlten den Gästen als Ort zum Ausruhen und zur Kontaktaufnahme. Stattdessen war die Versorgung der Hilfesuchenden an extra geschützten Ausgabefenstern in den Vordergrund gerückt. Mitarbeitenden wie Klienten machte diese „Hilfe auf Abstand“ zu schaffen. Denn Bahnhofsmission ist eigentlich viel mehr als eine Einrichtung zur Notversorgung. „Die Mitarbeitenden hoffen sehr, dass sich die Situation in den nächsten Monaten entspannt“, betont Gappa-Langer, „es ist wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.“ So könnten auch möglichst früh konkrete Notlagen erkannt und die Menschen gezielt an Facheinrichtungen und -beratungsstellen weitervermittelt werden. Beispielsweise wenn der Schuldenberg wächst, eine Wohnungskündigung bevorsteht oder bei ähnlichen Problemen.

Eine große Welle der Solidarität hat den Bahnhofsmissionen durch die Krise geholfen. "Wir sind den zahlreichen Spenderinnen und Spendern sehr dankbar“, so Keiser, „nur so konnten die Einrichtungen vor Ort den gestiegenen Anforderungen gerecht werden und die Not der Hilfesuchenden lindern.“

Obdachlose, Flüchtlinge, psychisch Kranke oder Reisende – sie alle finden in den 13 bayerischen Bahnhofsmissionen Zuflucht, Rat und Hilfe. Nahezu 345 000 Kontakte zu Hilfesuchenden zählten die ökumenischen Einrichtungen der katholischen und evangelischen Kirche. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden leisteten 2020 knapp 539 000 Mal Hilfe – trotz vieler Einschränkungen bei Aufenthaltsmöglichkeiten, Öffnungszeiten und dem fast völligen Wegfall der Reisehilfen.

Am 17. April 2021 ist der Internationale Tag der Bahnhofsmission. Anders als üblich kann er dieses Jahr pandemiebedingt leider nicht mit öffentlichen Präsenzveranstaltungen vor Ort stattfinden. Unter dem Motto „In Verbindung bleiben“ feiern die Mitarbeitenden der Bahnhofsmissionen bundesweit daher als Zeichen der Verbundenheit am 16.4. einen Online-Gottesdienst, um den inneren Zusammenhalt in den schwierigen Zeiten zu stärken.

Hedwig Gappa-Langer

pdfPressebericht zum Download.

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